Alle Artikel in der Kategorie “Tageszeitungen

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Das war der Zeitungskongress 2019 in Berlin

Der vom Bundesverbands Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) ausgerichtete Zeitungskongress fand 2019 am 23. und 24. September im ewerk in Berlin statt. Rund 400 Teilnehmer aus Medien, Politik, Wirtschaft und Kultur kamen zusammen, um über den Status quo der Zeitungsbranche zu diskutieren und nach Lösungen für aktuelle Herausforderungen zu suchen. Den Auftakt machte Dr. Mathias Döpfner, Präsident des BDZV und Vorstandsvorsitzender von Axel Springer. Er plädierte unter anderem für eine Neudefinition des Verlegerbegriffs und forderte schnelle Regelungen zur Begrenzung des Missbrauchs von Marktmacht durch große Plattformen (mehr dazu hier).

Im Folgenden betrat Michel Barnier, Chefunterhändler der Europäischen Kommission die Bühne und ging nach einer Rede in Dialog mit Döpfner. Weitere Highlights waren ein Impulsvortrag von taz-Mitbegründer und -Geschäftsführer Karl Heinz Ruch über ein mögliches Zukunftsszenario für Tageszeitungen sowie zwei Diskussionsrunden: Zum einen debattierten Prof. Dr. Martin Balle, Verleger und Herausgeber der Mediengruppe Straubinger Tagblatt, Landshuter Zeitung und Münchner Abendzeitung, Hannah Suppa, Chefredakteurin Digitale Transformation und Innovation im Regionalen bei der Madsack Mediengruppe, und Christine Richter, Chefredakteurin der Berliner Morgenpost, und Ruch über die Weiterentwicklung von Print und Digital. Zum anderen sprachen Thomas Lindner, Vorsitzender der FAZ-Geschäftsführung, Dr. Christian Wegner, Vorsitzender der SWMH-Geschäftsführung, und Peter Stefan Herbst, Chefredakteur der Saarbrücker Zeitung über Strategien für die Transformation.

Ebenfalls Teil des Programms war die Verleihung des Nova Innovation Awards, mit dem der BDZV und die Unternehmensberatung Schickler die jeweils besten Produkt-Neueinführungen, außergewöhnliche Geschäftsmodelle, kreative Strategien und Vermarktungsideen würdigen.

Quelle: DNV Online

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Meedia: DuMont verkauft Berliner Verlag an Berliner Eheleute Silke und Holger Friedrich

Die “Berliner Zeitung” kommt in neue Hände: Das Berliner Unternehmerpaar Silke und Holger Friedrich übernehmen den Verlag mit “Berliner Zeitung”, “Berliner Kurier” und “Berliner Abendblatt” sowie deren Digitalangebote. Dies sei der erste Schritt der Portfolio-Überprüfung im Geschäftsfeld Regionalmedien, teilt DuMont mit.

Wie es heißt, steht der Verkauf unter dem Vorbehalt der Zustimmung durch das Bundeskartellamt. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Damit geht der Verlag nach mehr als zehn Jahren aus dem Verbund von DuMont an die neuen Eigentümer Silke und Holger Friedrich. Sie werden den Verlag in die Holding der Familie Friedrich überführen und haben sich langfristige Ziele gesetzt. “Wir möchten das Profil des Berliner Verlags stärken und mit einer versachlichten, faktenbasierten Berichterstattung den politischen und gesellschaftlichen Diskurs für Berlin und aus Berlin heraus bereichern”, betont Holger Friedrich. Dazu gehören ebenso die durchgängige Digitalisierung der Angebote wie die Ausrichtung des Verlages auf zukunftsfähige Formate. “Mit konsequent digital ausgerichteten Angeboten und einer tiefgehenden Aufarbeitung gesellschaftlich relevanter Themen, möchten wir ein breiteres Publikum ansprechen und mit den Lesern stärker in Kontakt treten, als dies bisher der Fall ist”, ergänzt Holger Friedrich. Silke Friedrich sagt zu der Übernahme: “Wir verstehen diesen Schritt als zivilgesellschaftliches Engagement in bewegten Zeiten und freuen uns auf diese Aufgabe sowie die Zusammenarbeit mit dem Team.”

 

Wer sind Silke und Holger Friedrich?

Über den unternehmerischen Hintergrund der neuen Eigentümer ist bislang wenig bekannt. Silke Friedrich hat nach dem Abitur und einer kaufmännischen Ausbildung an der Universität der Künste in Berlin Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert. Gemeinsam mit Love-Parade-Gründer Ralf Regitz hat sie 2004 den Berliner Technoclub E-Werk neu belebt. Holger Friedrich ist beim E-Werk auch als Geschäftsführer eingetragen. Sie und ihr Mann stehen zudem hinter der Privatschule Berlin Metropolitan School. Silke Friedrich ist auch Leiterin der Schule. Holger Friedrich studierte nach dem Abitur und einer Berufsausbildung Germanistik und Informatik an der Universität Potsdam. Nach seinem Studium etablierte er ein Software-Technologieunternehmen, das 2003 von SAP gekauft wurde. Von SAP wechselte er als Partner zu McKinsey & Company und nachfolgend als Vorstand zur Software AG. 2009 gründete er den Technology Think Tank CORE.

 

Die beiden sind verheiratet und haben drei gemeinsame Kinder.

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Prospektverteilung in Gefahr

Mindestlohn wird zum Menetekel – Zustellkosten steigen – Flächendeckende Verbreitung von Haushaltswerbung gefährdet

Frankfurt. Der 2015 eingeführte Mindestlohn für Zeitungszusteller und Prospekt-Austräger verteuert die Zustellung und gefährdet nach Ansicht der Tages- und Anzeigenzeitung die flächendeckende Verbreitung von Haushaltswerbung. Weil der Handel nicht bereit ist, für die Mehrkosten zu zahlen, wollen die Verlegerverbände nun Geld vom Steuerzahler.

Die Digitalisierung hat vieles in der weiten Welt der Werbung durcheinandergewirbelt. Weil es immer neue Angebote gibt, zersplittert die Mediennutzung und damit auch die Reichweite vieler Werbeträger. Die klassische Haushaltswerbung kann sich diesem Trend nicht entziehen und muss sich seit geraumer Zeit gegen digitale Prospekt-Portale wie Kaufda oder Marktjagd und zunehmend auch gegen die reichweitenstarken Webportale des Handels selbst zur Wehr setzen. Bislang mit Erfolg, denn noch ist kein Werbeträger in Sicht, der die gedruckten Prospekte und Beilagen ersetzen kann. Der Handel ist nach wie vor auf die Push-Wirkung der Schweinebauchwerbung angewiesen. So erreicht Aldi Süd auf Anfrage der LZ nach eigenen Angaben „einen großen Teil der Kunden über die klassischen Medien, allen voran über den wöchentlichen Handzettel“. Dieser wird nach ihrer Darstellung auch in Zukunft eine „wichtige Bedeutung“ haben, weil er eine breite Zielgruppe über die Zeitungsbeilage, die Direktverteilung und die Auslage in der Filiale erreicht.

Auch die Agenturen brechen eine Lanze für die gute alte Angebotswerbung. „Viele Werbekunden haben erkannt, dass es ohne Beilagen und Anzeigen doch nicht so gut funktioniert, wie es mit den digitalen Lösungen erwartet wurde“, beobachtet Axel Ahlbrecht, Managing Partner bei der Düsseldorfer Mediaagentur PHD Germany. Als Grund führt er die Sortimentstiefe- und breite der klassischen Prospekte an, die sich dort besser darstellen lässt als Online. Ein weiterer Vorteil von Prospekten: „Sie wecken Kaufanreize für Produkte, die man eigentlich im Moment gar nicht braucht“, betont Ahlbrecht. Trotzdem wird es zunehmend ungemütlich für die Haushaltswerbung. Und dafür sorgt interessanterweise nicht etwa die Digitalisierung, sondern die Politik. Die hat 2015 den Mindestlohn auch für die Zusteller von Zeitungen und Prospekten eingeführt und damit dazu beigetragen, dass die Kosten für die Verteilung immer weiter steigen. War es zuvor üblich, dass Verlage ihre Austräger nach Stückzahl vergütet haben, so müssen sie diese nun auf Stundenbasis bezahlen und die benötigte Arbeitszeit genau dokumentieren, was den Aufwand zusätzlich erhöht. Problematisch ist das vor allem für Verlage in dünn besiedelten Gebieten, dort sorgen die langen Wege dafür, dass sich die Zustellung besonders stark verteuert. Hinzu kommt, dass auch die Preise für Papier gestiegen sind. Angesichts dessen schlagen die Verlagslobbyisten Alarm. Sie sehen die flächendeckende Verbreitung ihrer Abo- und Anzeigenzeitungen und damit auch der Beilagen und direkt verteilten Haushaltswerbung in Gefahr. Deshalb fordern der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) und der Bundesverband Deutscher Anzeigenblätter (BVDA) nun Erleichterungen von der Politik. Auf deren Druck nahm die amtierende große Koalition ein Zugeständnis in ihren Koalitionsvertrag auf. Dort heißt es, dass die Rentenversicherungsbeiträge für minijobbende Zeitungszusteller befristet bis Ende 2022 von regulär 15 auf 5 Prozent gesenkt werden sollen, um die bundesweite Versorgung mit Presseerzeugnissen in Stadt und Land zu sichern. Die Differenz von 10 Prozentpunkten soll demnach der Staat, also wohl der Steuerzahler ausgleichen. Das würde die Verleger von Tages- und Anzeigenzeitungen jährlich um rund 56 Mio. Euro entlasten. Umgesetzt hat die Koalition dieses Vorhaben bislang aber nicht. Gleiches gilt für eine weitere Forderung von BVDA und BDZV: Zusätzlich zum Rabatt auf die Rentenversicherungsbeiträge verlangen sie eine „direkte Vertriebsförderung“, mit der der Staat die Zustellung subventionieren soll. Die Verlage sollen dann für jede Zeitung und jedes Anzeigenblatt, das sie in den Briefkasten stecken, einen bestimmten Betrag erhalten. Mit einer Infrastrukturförderung wäre nicht nur der Demokratie und dem gesellschaftlichen Zusammenhalt gedient, argumentieren die Verbände. Die Verlage könnten damit auch die „immensen Kostensteigerungen“ kompensieren, wie der BVDA in seinem aktuellen Jahresbericht ausführt. Geschäftsführer Jörg Eggers brachte im LZ-Schwestertitel „Horizont“ eine Unterstützung von mindestens 670 Mio. Euro pro Jahr ins Spiel, so hoch sei die Presseförderung in Frankreich. „Übertragen auf Deutschland wäre die Summe entsprechend der Einwohnerzahl höher.“ Noch aber hat das zuständige Bundesarbeitsministerium (BMAS) keinen Euro locker gemacht. Es sagte jedoch zu, die „Unterstützung der Zeitungszustellung“ zu prüfen. Dazu wollte das Ministerium bis Juni im Rahmen einer Studie über
einen „internationalen Politikvergleich“ Handlungsoptionen eruieren. Ergebnisse sind bislang nicht bekannt. Dem Handel böten mögliche Subventionen für die Zustellung von Zeitungen die Chance, bei den Verlagen noch höhere Rabatte für seine Anzeigen und Beilagen zu verlangen. Höhere Werbepreise lassen sich dagegen nicht durchsetzen, glaubt BVDA-Chef Jörg Eggers: „Die Anzeigenblattverlage können die gestiegenen Papierpreise und Zustellkosten nicht überwälzen.“ Und das aus drei Gründen: Einmal stehen ihre Werbekunden angeblich selbst unter Druck, zudem haben diese durch die gestiegene Vielfalt der Werbekanäle mehr Auswahl. Das drückt auf die Preise, genauso wie der Umstand, dass der „Nettowerbekuchen in den vergangenen Jahren nicht nennenswert gewachsen ist“, so Eggers. Für ihn ist deshalb klar, dass sich die Verlagsbranche in einer massiven wirtschaftlichen Schieflage befindet, die der Staat mit einer Infrastrukturförderung „abfedern“ muss. Schließlich steht für Eggers der Erhalt der „Pressevielfalt und letzten Endes auch die Pressefreiheit in Deutschland“ auf dem Spiel. Die Alternative zur staatlichen Stütze wären höhere Werbepreise. Ob der Handel bereit wäre, sie zu entrichten, ist aber zweifelhaft. Die angefragten Unternehmen Rewe, Rossmann und Lidl beantworteten entsprechende Fragen nicht. Aldi Süd zeigt zwar Verständnis für die „Herausforderungen“, vor denen die Verlage stehen, will sich aber nicht an „Spekulationen über mögliche Gründe“ beteiligen und sich nicht zu seinen Einkaufskonditionen äußern. Auf Agenturseite überwiegt indes die Skepsis. „Die Werbungtreibenden werden keine höheren Preise für Beilagen und Hauswurfsendungen zahlen“, glaubt Andreas Fuhlisch, Managing Partner der Agentur Mediaplus. Das Thema müssten die Verlage allein lösen und vor allem den Beweis erbringen, dass Beilagen und Prospekte auf die jeweiligen Key Performance Indicators (KPI) der Strategie einzahlen. Auch der zunehmende Wettbewerb durch digitale Kanäle engt den Spielraum ein, sagt Fuhlisch. „Werbungtreibende können heute bereits sehr gezielt Personen adressieren.

Gleiches gilt für die Aussteuerung von Out-of-Home.“ Damit sind sie für ihn eine effiziente Alternative zu den Direktmarketingangeboten der Verlage. Auch PHD-Manager Ahlbrecht bezweifelt, dass Werbungtreibende bereit sind, mehr zu zahlen. Was auch an den Verlagen selbst liegt: „Sie können sich nach wie vor nicht auf eine gemeinsame Linie verständigen. Alle Versuche in diese Richtung sind bis jetzt gescheitert. Die Abhängigkeit der Medien von einigen wenigen Agenturen und Auftraggebern lässt wahrscheinlich auch nichts anderes zu.“ Ahlbrecht kritisiert aber auch die Werbekunden, von denen einige bereits jetzt die eigenen Einkaufsrichtlinien ignorierten, nur um bessere Preise zu bekommen. „Diese Entwicklung lässt sich nur sehr schwer zurückdrehen.“ Dass die Verlage nun bei der Politik vorstellig werden, missfällt Ahlbrecht ebenfalls: „Eine Absenkung der Rentenversicherungsbeiträge für Zusteller entlastet sie sicherlich, bedeutet aber auch, dass es sich eigentlich um eine versteckte Subvention handelt. Das mit dem Argument des verfassungsrechtlichen Schutzes der Zeitungszustellung zu untermauern, ist schon bedenklich.“ Schließlich handele es sich bei den Verlagen um „Wirtschaftsunternehmen, die für ihre Erträge selbst verantwortlich sind“, so Ahlbrecht. „Wirtschaftliche Fehler, die in der Vergangenheit begangen wurden, sollen jetzt durch den Steuerzahler ausgeglichen werden.“ Zudem glaubt er, dass Werbungtreibende und Agenturen sofort bei den Verlagen auf der Matte stehen werden, wenn die Politik auch nur eine ihrer beiden Forderungen erfüllen wird. „Dann werden die Nachfrager einen weiteren Nachlass verlangen. Ich vermute, dass die Gelder dann zumindest zu großen Teilen direkt an die Werbungtreibenden durchgereicht werden.“ Ingo Wienand, Chef der Mönchengladbacher Agentur Media Central, zeigt dagegen Verständnis für die Forderungen der Verlage, weil sie dem Erhalt der publizistischen Vielfalt dienen. Zugleich fordert er von den Verlagen aber auch, sich weiterzuentwickeln. Anders als Ahlbrecht geht er aber nicht davon aus, dass mögliche staatliche Hilfen den Verlagen und den Werbekunden einen preisstrategischen Spielraum eröffnen. „Vielmehr ist die angedachte Unterstützung hilfreich, das notwendige Leistungsversprechen zu erfüllen, zum Beispiel in der Gewährleistung einer stabilen und hohen Zustellqualität“, lässt sich Wienand zitieren. Glaubt man ihm, werden sich die Spielregeln im Konditionenpoker dadurch nicht ändern: „Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass Preisdiskussionen immer vor dem Hintergrund der Balance von Leistungsversprechen und Leistung sowie immer auch individuell zu bewerten sind.“ Doch selbst wenn der Staat das Füllhorn an Subventionen über Tages- und Anzeigenzeitungen ausgießen wird, so dürften die Strukturprobleme der Haushaltswerbung nicht verschwinden. Eine davon ist die sinkende Nutzung. Laut der Markt-Media-Studie VuMA Touchpoints wächst die Zahl der Beilagenmuffel kontinuierlich. Gaben 2015 erst 17 Prozent an, nie oder fast nie in den beigelegten Werbeblättchen der Tageszeitungen zu schmökern, so sind es aktuell bereits 26 Prozent. Bei den Anzeigenblättern stieg der Anteil der Nie- oder Fast-Nie-Beilagenleser von 13 auf 21 Prozent. Umgekehrt ist der Anteil derer, die Prospekte mehrmals pro Woche in die Hand nehmen kontinuierlich gesunken. Bei den Tageszeitungen etwa von 33 auf 24 Prozent.

Für die Verlage, die sich mit ihren werbetragenden Zeitungen als Alternative zu den direkt verteilten Prospekten stilisieren, kommt erschwerend hinzu, dass ihre Titel zunehmend unter Leserschwund leiden. Laut AWA erreichten die kostenlosen Anzeigenblätter 2018 nur noch 35,7 Mio. Deutschsprachige ab 14 Jahren, das waren 4,5 Prozent weniger als 2015; bei den regionalen Abo-Zeitungen fiel die Reichweite um 7,3 Prozent auf 26,8 Mio. Es wird also schwerer, über diese Titel einen Push auszulösen. Wenn die Basis für die herkömmliche Haushaltswerbung schmaler wird, müssen Großkunden wie Aldi Süd ihren Media-Mix verbreitern. Der Discountriese wirbt seit Längerem auch in TV und Radio, um weiterhin möglichst viele Verbraucher in seine Läden zu locken. „Wir erzielen mit Prospekten nach wie vor eine hohe Reichweite, stellen allerdings auch fest, dass es nicht mehr ausreicht, sich allein auf sie zu fokussieren“, erklärt Sprecherin Amirhaji. Andere reden sich die Zustände schön. So liest BVDA-Geschäftsführer Eggers aus den VuMA-Zahlen auch heraus, dass fast 80 Prozent der Bevölkerung regelmäßig Prospekte nutzen. „Eine solche Zahl schränkt die Vermarktungschancen keineswegs ein, im Gegenteil: Welcher Werbeträger verfügt über eine solche Reichweite?“ Für Eggers bleibt das Prospekt ein wichtiges und vom Verbraucher geschätztes Werbemittel. So geben laut der BVDA Studie „Anzeigenblatt-Qualität“ 77 Prozent an, dass sie Werbung in Anzeigenblättern unter anderem als unterhaltend, informativ und kaufanregend finden.

Die konkurrierende Zeitungsmarktforschung Gesellschaft der deutschen Zeitungen (ZMG) wirbt mit ähnlichen Argumenten. Nach einer von ihr beauftragten Befragung des Instituts Ifak sagen 72 Prozent der Leser aus dem Weitesten Leserkreis der Zeitungen, dass sie in jüngerer Zeit dem Medium beigelegte Prospekte aufgehoben oder ins Geschäft mitgenommen haben. Doch der Medienwandel will es, dass Prospekte inzwischen auch digital verfügbar sind, sei es via Search, ProspektPortale, Social Media oder die Website der Händler selbst. Die Online-Nutzung ist aber noch kein Renner. Laut VuMA zeigt die Hälfte der Bevölkerung digitalen Prospekten die kalte Schulter, und das mit wachsender Tendenz. Denn 2015 lag der Anteil der Nicht-Nutzer erst bei 38 Prozent. Umgekehrt schauen aktuell nicht einmal zehn Prozent täglich oder mindestens einmal die Woche in einen digital verbreiteten Handzettel (2015: 8,4 Prozent). Für den Handel ist das keine so gute Nachricht, wie PHD-Experte Ahlbrecht betont: „Ich glaube nicht, dass die digitalen Kanäle kurzfristig die Verluste kompensieren können.“ Online-basierte Prospekte haben für ihn dennoch ihren Reiz, weil die Verbraucher dort nicht so leicht die Preise vergleichen können wie in Print. Dem Handel bieten sie also die Chance, sich stärker von der Konkurrenz abzuheben und Schnäppchenjäger auf Distanz zu halten. Dennoch müssen die Handelsgruppen bei der Angebotskommunikation nun zweigleisig fahren. So wird Aldi Süd weiterhin den gedruckten Handzettel unter die Leute bringen, weil viele Kunden es so erwarten. Die Mülheimer vergrößern aber auch ihren digitalen Fußabdruck, um etwa junge Zielgruppen besser zu erreichen. Dabei stehen der digitale Newsletter und die Social Media-Aktivitäten sowie die eigene Website im Fokus, die 7,8 Mio. Visits erzielt. Die Haushaltswerbung geht also doch mit der Zeit, aber sehr eilig hat sie es nicht. Guido Schneider/lz 31-19 Prospekte wecken Kaufanreize für Produkte, die man eigentlich im Moment gar nicht braucht Axel Ahlbrecht, Managing Partner bei der Düsseldorfer Mediaagentur PHD Germany Preisdiskussionen sind grundsätzlich vor dem Hintergrund der Balance von Leistungsversprechen und Leistung zu bewerten Ingo Wienand, Media Central, Mönchengladbach Werbeverweigerer und Aktivisten Handelswerbung auf Papier gerät zunehmend in die Kritik.

Bereits 2016 trat das Portal Werbestopper der Gesellschaft zur Durchsetzung von Verbraucherinteressen (GVDI) auf den Plan, das mit dem Versand von Werbewidersprüchen von Verbrauchern gegenüber werbenden Unternehmen und Verlagen Abmahngebühren durchzusetzen versuchte. Gegen diese Praxis haben verschiedene Verbände unter Koordination des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) geklagt und einen einstweiligen Stopp von Werbestoppern erwirkt. Inzwischen haben sich aber eine weitere, legale Initiative gegen die Werbung im Briefkasten formiert; sie heißen Letzte Werbung, Werbeblocker.org oder Papierstau-Stoppen. Ihr gemeinsames Ziel: den Papierverbrauch zu reduzieren. Zu diesem Zweck animieren sie Verbraucher, sich Werbeverbotsaufkleber für ihren Briefkasten zuzulegen. Die Aktivisten verstärken den Trend zur Abwehr von (gedruckten) Prospekten. Der Dienstleister Prospekt Service Online registrierte im März bundesweit 12,2 Mio. Haushalte, die keine Werbung im Briefkasten wollen, das waren 26,7 Prozent – Tendenz steigend. In Ballungsräumen erreicht die Verweigererquote oft mehr als 40 Prozent. Agenturen und Handel reagieren verunsichert auf diese Entwicklung. Laut Agenturmann Axel Ahlbrecht beeinflussen „steigende Verweigererzahlen
und Anti-Werbung-Aktivisten die Kanalauswahl des Handels eher wenig. Die Aktivisten polarisieren extrem, sodass sie die Leute vielfach eher nerven und ihren Zweck nicht erfüllen.“ Doch Ahlbrecht kann nicht beurteilen, was passiert, wenn es einmal eine echte Alternative zu den gedruckten Medien geben sollte. Für Mediaplus-Manager Andreas Fuhlisch ist dagegen jetzt schon klar, dass sich alles, was die Nutzung eines Mediums einschränkt, negativ auf die Belegung auswirkt. Für Media-Central-Chef Ingo Wienand stellen die Aktivisten hingegen kein Problem dar. Schließlich gelte es für Verlage und Werbekunden, den Willen des Verbrauchers zu respektieren, auch wenn das letztlich zu reduzierten Auflagen führt. Ähnlich verhält es sich mit der Verweigererquote. Aus ihr dürfe man nicht schließen, dass Menschen generell nicht offen für Werbung sind, glaubt Wienand. Eine Studie von Media Central und dem IFH Köln von 2018 zeigt, dass 85 Prozent aller Werbeverweigerer dennoch über andere Kanäle mit Prospekten in Kontakt kommen. Der BVDA sucht zudem den Dialog mit den Aktivisten und hat eine Kooperation mit dem WWF initiiert. „Uns ist es wichtig, auch im Leser- und Werbemarkt die Fakten zu hinterlegen. Wie zum Beispiel die Tatsache, dass Anzeigenblätter im Durchschnitt zu 84 Prozent aus Altpapier bestehen“, betont Verbandsgeschäftsführer Jörg Eggers. Außerdem klärt der BVDA auf der Website Werbungim-Briefkasten über die Umweltaspekte gedruckter Haushaltswerbung auf und bietet Verbrauchern die Möglichkeit, der Zustellung eines Anzeigenblatts zu widersprechen. Bislang tun das aber nur wenige. Eggers: „Die Reaktionen auf ein nicht zugestelltes Anzeigenblatt sind deutlich höher als der Wunsch nach Abbestellung.“

Quelle: Lebensmittelzeitung, dfv Mediengruppe, VUMA

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Süddeutsche Zeitung setzt auf neuen Logistikdienstleister Zamdo

Wie DNV-Online berichtet, ist seit Anfang Juli der Logistikdienstleister Zamdo GmbH für die Planung, Disposition und tägliche Auslieferung der Süddeutschen Zeitung ab den fünf Druckorten der SZ verantwortlich. Zamdo ist ein Tochterunternehmen der Süddeutschen Zeitung Logistik GmbH und wurde bereits im Januar 2019 gegründet. Ziel der Ausgründung sei es, die Digitalisierung entlang der gesamten logistischen Wertschöpfungskette umzusetzen, die Weichen für eine effiziente sowie flexible Presselogistik zu stellen und Chancen durch neue Geschäftsfelder im weiterwachsenden Logistikmarkt in Deutschland zu nutzen, heißt es in einer nun erschienenen Verlagsmitteilung.

Zamdo hat eigenen Angaben zufolge neben der Süddeutschen Zeitung auch erste externe Kunden und Kooperationspartner gewonnen bzw. von der Süddeutschen Zeitung Logistik übernommen. So nutze die Handelsblatt Media Group das Netzwerk des Unternehmens für die bundesweite und internationale Auslieferung des Handelsblattes. In Süddeutschland arbeite Zamdo zudem mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, der Zeitungsgruppe Münchner Merkur/tz, der Abendzeitung und der Hilfsorganisation Arrival Aid, zusammen.

Geschäftsführer von Zamdo und der Süddeutschen Zeitung Logistik ist Jürgen Baldewein. Er sagt: „Ein Erfolgsgeheimnis liegt in unserer Philosophie, mit den Regionalverlagen und insbesondere mit den Pressegrossisten bei der Auslieferung vor Ort zu kooperieren“. In Zukunft wolle Zamdo sein Netzwerk weiter ausbauen, sein Know-how bei der Optimierung und Planung von Logistikprozessen am Markt anbieten und auch in Märkten außerhalb der Presselogistik Fuß fassen.